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AGM

AGM und Gel im Camper planen

AGM und Gel sind robust, günstig und in fast jedem Fahrzeug zu finden. Ihre Grenze ist die Entladetiefe: Nutzbar ist nur die Hälfte der Nennkapazität — wer das einplant, plant ehrlich.

Nutzbar sind 50 % — und warum das doppelte Kapazität bedeutet

Das Modell rechnet AGM und Gel mit 50 % Entladetiefe, Nassblei mit 30 %. Für 1 000 Wh Tagesbedarf und einen autarken Tag heißt das: rund 167 Ah Nennkapazität statt 93 Ah bei LiFePO4. Dazu kommt das Gewicht — Blei liegt bei rund 30 kg je 100 Ah.

Die Entladetiefe ist keine Herstellerwillkür: Tiefentladung verkürzt die Lebensdauer von Bleibatterien deutlich. Wer regelmäßig bis 80 % entlädt, bezahlt das über die Zyklenzahl.

Die Entladetiefen stehen als Modellwerte in Camp (AGM 50 %, Gel 50 %, Nassblei 30 %). Die Herstellerangabe der konkreten Batterie geht vor — sie steht im Datenblatt.

Peukert bei Bleibatterien

AGM liegt im Modell bei einem Peukert-Exponenten von 1.12, Gel bei 1.15 — beide höher als Lithium (1.05). Praktisch bedeutet das: Eine 100-Ah-AGM, die nominell auf 5 A Entladestrom normiert ist, liefert bei 40 A Strom nur noch 77,9 % ihrer Kapazität.

Zusammen mit der Entladetiefe bleiben aus 100 Ah dann 39,0 Ah nutzbar. Wer eine große Last betreibt, merkt das deutlich — deshalb gehört der Peukert-Effekt in jede Bleiplanung mit Wechselrichter oder Kompressor.

Laden: die Bleikennlinie ist der Maßstab

Bleibatterien brauchen eine Ladekennlinie mit Konstantstrom-, Konstantspannungs- und Erhaltungsphase. Wichtig für die Planung: Eine Bleibatterie wird nur dann voll, wenn die Ladespannung hoch genug ist und genug Zeit bleibt. Kurze Fahrten mit voller Lichtmaschinenspannung laden weniger, als die Amperestunden-Anzeige vermuten lässt.

  1. Ladespannung passend zur Chemie: AGM und Gel unterscheiden sich in der zulässigen Ladespannung — Gel ist empfindlicher gegen zu hohe Spannung.
  2. Lichtmaschine ohne Booster lädt über die lange Leitung nur mit mäßigem Strom: Der Querschnitt und damit der Spannungsfall begrenzen den Ladestrom.
  3. Landstrom-Ladegeräte halten Blei über die Erhaltungsladung fit — Lithium braucht diese Phase nicht.
  4. Solar ohne MPPT verliert bei Blei einen erheblichen Teil der Modulleistung, weil die Modulspannung über der Batteriespannung liegt.

AGM oder LiFePO4?

Für ein Wochenendfahrzeug mit Landstromanschluss ist AGM oft die vernünftige Wahl: robust, einfach zu laden, günstig. Für ein Reisefahrzeug mit Solar und hohem Verbrauch rechnet sich Lithium über Gewicht und nutzbare Kapazität.

Nutzbare Energie je Kilogramm
Lithium liefert bei gleichem Gewicht zwei- bis dreimal so viel nutzbare Kapazität. Bei Fahrzeugen mit begrenzter Zuladung ist das das entscheidende Kriterium.
Kurzschlussstrom und Absicherung
Der Innenwiderstands-Anker liegt bei AGM mit 5 mΩ je 100 Ah höher als bei LiFePO4 (3 mΩ) — Bleibänke stellen geringere Ansprüche an das Abschaltvermögen der Sicherung.
Ladeverhalten und Kälte
Blei lädt auch bei Kälte, braucht aber eine vollständige Kennlinie und mehr Zeit. Lithium lädt unter 0 °C gar nicht, dafür sehr schnell, wenn es warm genug ist.
Kosten
Je nutzbarer Kilowattstunde ist AGM günstiger, je Kilogramm und je Zyklus ist Lithium günstiger. Die Rechnung kippt mit der Nutzungsdauer.

Typische Fehler

  1. Mit der Nennkapazität rechnen — die Hälfte ist bei AGM nicht verfügbar.
  2. Zwei Batterien aus verschiedenen Baujahren parallel schalten: Die ältere bestimmt die nutzbare Kapazität.
  3. Gel mit AGM-Ladespannung laden: Gel nimmt zu hohe Spannungen übel.
  4. Bleibatterien dauerhaft teilentladen lagern — Sulfatierung kostet dauerhaft Kapazität.
  5. Den Peukert-Effekt bei Wechselrichterbetrieb ignorieren und sich über die kurze Laufzeit wundern.

Nächster Schritt

Häufige Fragen

Wie viel nutzbare Kapazität hat eine 100-Ah-AGM-Batterie?

Nach dem Modell 50 Ah bei schonender Entladung mit 5 A. Bei 40 A Entladestrom kommen nur 39 Ah heraus, weil der Peukert-Effekt die entnehmbare Kapazität zusätzlich mindert. Für eine lange Lebensdauer sollte die Entladetiefe eher unter 50 % bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen AGM und Gel?

Beide sind verschlossene Bleibatterien mit 50 % Entladetiefe im Modell; Gel hat den höheren Peukert-Exponenten (1,15 gegenüber 1,12) und reagiert empfindlicher auf zu hohe Ladespannung. Für die Kapazitätsbemessung ändert das wenig — für die Wahl des Ladegeräts viel.

Lohnt sich der Umstieg von AGM auf LiFePO4?

Rechnerisch ja, wenn Gewicht oder Autarkie knapp sind: Bei gleicher Nennkapazität liefert Lithium 80 % mehr nutzbare Energie bei weniger als der Hälfte des Gewichts. Der Umstieg ist aber kein Batterietausch allein — Ladegerät, Sicherung (Abschaltvermögen) und Laderegler müssen dazu passen.

Grundlage, Annahmen und Grenzen

Quellen

Modellwerte für Blei
Entladetiefe 50 % (AGM/Gel) und 30 % (Nassblei) in `lib/vde-standards.ts`; Peukert-Exponenten 1,12 und 1,15 in `lib/peukert.ts`; Innenwiderstands-Anker 5 und 6 mΩ je 100 Ah in `lib/shortCircuit.ts`.
Ladespannungen
Nicht im Modell enthalten — die Angaben zur Ladekennlinie stammen aus Herstellerdatenblättern und sind hier als solche benannt.

Annahmen

  • Der Peukert-Exponent ist ein chemiespezifischer Faustwert; ein Datenblattwert schlägt ihn.
  • Die Gewichtsangaben dienen der Größenordnung, nicht der Zuladungsrechnung.

Grenzen

  • Sulfatierung, Zyklenzahl und Alterung sind nicht modelliert.
  • Die zulässige Zuladung des Fahrzeugs ist keine elektrische Frage und wird hier nicht bewertet.

Inhaltlicher Stand: 2026-10. Keine fachliche Prüfung durch Dritte — Rechenwege, Quellen und Grenzen stehen offen, siehe Über Werft.

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