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Camper-Elektrik

Camper-Elektrik planen

Eine Elektrik im Camper wird nicht gezeichnet, sondern gerechnet: Erst der Verbrauch, dann die Leitung, dann die Absicherung — und am Ende der Plan, aus dem die Stückliste fällt. Diese Seite ist der Wegweiser durch die einzelnen Schritte.

Die Reihenfolge, in der Elektrik geplant wird

Die häufigste Ursache für eine Elektrik, die zweimal gebaut werden muss, ist die Reihenfolge: Wer mit dem Kabel anfängt, wählt es nach Gefühl und findet den Fehler erst, wenn der Kühlschrank im Sommer abschaltet. Der Weg unten kehrt die Abhängigkeiten um — jede Stufe liefert die Eingabe für die nächste.

Jede Stufe hat eine eigene Seite mit Rechenweg, Beispiel und typischen Fehlern. Diese Seite ist die Landkarte; die Details stehen dort.

  1. Verbrauch aufschreiben: jedes Gerät mit Leistung in Watt und Nutzungsdauer in Stunden am Tag. Die Summe ist der Tagesbedarf in Wh.
  2. Bordnetzspannung festlegen — 12 V für kleine, 24 V für große Anlagen. Sie entscheidet über Ströme und damit über Kabel und Sicherungen.
  3. Leitungen bemessen: Querschnitt über Spannungsfall und Strombelastbarkeit, danach die Sicherung nach der Leitungsgrenze.
  4. Verteilen und absichern: Plusverteilung, Massen, Schutzorgan unmittelbar am Batteriepol.
  5. Batterie dimensionieren: Tagesbedarf, Autarkietage, Entladetiefe der Chemie.
  6. Ladung planen: Solar mit Laderegler, Landstrom oder Lichtmaschine.
  7. 230 V nur dort, wo nötig — mit FI-Schutz und Abnahme durch eine Fachkraft.
  8. Plan zeichnen, prüfen lassen und erst dann Kabel konfektionieren.

Mit dem Verbrauch anfangen, nicht mit dem Kabel

Der Tagesbedarf in Wattstunden (Wh) ist die einzige Zahl, aus der sich alles andere ergibt: Batteriegröße, Solarleistung, Leitungsströme. Eine Beispielrechnung für einen einfachen Kastenwagen:

Die Summe von rund 1 074 Wh ist der Ausgangspunkt. Bei 12 V entspricht das 90 Ah am Tag — eine Zahl, die man nur mit Lithium oder einer großen Solarinsel autark deckt (zur Batterie: Camper-Batterie dimensionieren).

Beispielverbrauch eines Kastenwagens — Beispielwerte, keine Messwerte
VerbraucherLeistungNutzung/TagEnergie/Tag
Kompressor-Kühlbox45 W10 h450 Wh
Standheizung (Diesel, Gebläse)35 W8 h280 Wh
Wasserpumpe60 W0,4 h24 Wh
LED-Beleuchtung12 W5 h60 Wh
Laptop über 12-V-Netzteil65 W4 h260 Wh
Summe (Beispiel)——1 074 Wh

Watt und Stunden stammen aus Datenblättern oder eigener Messung. Wer keine Messung hat, setzt bewusst konservativ an — der Fehler wirkt sonst erst im Winter.

Leitungen: der Spannungsfall entscheidet, nicht das Tabellenbuch

Bei 12 V sind die Ströme zehnmal so hoch wie bei 230 V — und genau darum ist der Spannungsfall hier das bestimmende Kriterium, nicht die Strombelastbarkeit. Eine Leitung, die thermisch 20 A trägt, kann über fünf Meter bei 10 A bereits sichtbar Spannung verlieren.

Die Formel ist in beide Richtungen nutzbar: A = (2 · L · I) / (κ · ΔU) sucht den Querschnitt, ΔU = I · 2L / (κ · A) bewertet eine gewählte Leitung. Der Faktor 2 steht für Hin- und Rückleitung, κ ist die Leitfähigkeit von Kupfer mit 58 m/(Ω·mm²) bei 20 °C. Geplant wird mit 3 % zulässigem Spannungsfall — bei 12 V also 0,36 V.

Normreihe mit Belastbarkeit und größter Sicherung (Modell: DIN VDE 0298-4, Verlegeart B2, Derating 0,7)
QuerschnittTabelleDesign (×0,7)Größte Sicherung
1,5 mm²16.5 A11,5 A10 A
2,5 mm²23 A16,1 A16 A
4,0 mm²30 A21,0 A20 A
6,0 mm²38 A26,6 A25 A
10,0 mm²52 A36,4 A32 A

Die letzte Spalte schützt die LEITUNG. Welche Sicherung zu einem Gerät passt, ist eine andere Frage — siehe Sicherungen im Camper.

A = (2 · L · I) / (κ · ΔU)

Kleinster Querschnitt, damit über die Länge L bei Strom I höchstens ΔU abfällt.

Batterie: nutzbar ist nicht gleich nominell

Eine 100-Ah-Batterie liefert je nach Chemie zwischen 30 Ah und 90 Ah, bevor sie leer ist. Die Entladetiefe (Depth of Discharge, DoD) steht im Modell je Chemie — sie ist der wichtigste Hebel bei der Dimensionierung.

Entladetiefen des Modells (VDE_BATTERY_DOD)
ChemieEntladetiefeNutzbar bei 100 Ah
LiFePO490 %aus 100 Ah nutzbar: 90 Ah
AGM50 %aus 100 Ah nutzbar: 50 Ah
Gel50 %aus 100 Ah nutzbar: 50 Ah
Nassblei30 %aus 100 Ah nutzbar: 30 Ah

Ladung: Solar, Laderegler, Landstrom

Eine Batterie ohne Ladung ist ein Vorrat, kein System. Die Solarinsel wird aus demselben Tagesbedarf ausgelegt wie die Batterie — im Winter mit 35 % des Sommerertrags, weil die Auslegung sonst nur im Juli trägt. Der Laderegler (MPPT oder PWM) bestimmt, wie viel von der Modulleistung tatsächlich in der Batterie ankommt.

Von der Batterie zu den Verbrauchern

Zwischen Batterie und Verbraucher liegt mehr als ein Kabel: Verteiler, Sammelschienen, Schutzorgane, Schalter. Zwei Regeln tragen die Sicherheit dieser Ebene — das Schutzorgan sitzt unmittelbar am Batteriepol, und jede Leitung ist gegen den Strom geschützt, den sie führen kann, nicht gegen den, den das Gerät zieht.

Woran man eine fertige Planung prüft

Die folgende Liste hat sich als Prüfschritt vor dem ersten Schnitt bewährt. Wer sie durchgeht, findet die meisten Fehler, ohne ein Kabel zu verlegen.

  1. Ist jede Leitung über ihre ganze Länge gesichert — auch die kurze Strecke vom Batteriepol zum Verteiler?
  2. Sind die Ströme mit Hin- und Rückleitung gerechnet, oder fehlt der Faktor 2?
  3. Trägt die Batterie den Tagesbedarf auch an einem trüben Wintertag, oder nur im Sommer?
  4. Sind die 230-V-Kreise mit FI-Schutz ausgestattet, und ist die Abnahme durch eine Fachkraft eingeplant?
  5. Steht in der Stückliste zu jedem Querschnitt auch die passende Sicherung?

Der Camper-Elektroplaner prüft diese Punkte automatisch mit: Er rechnet Spannungsfall je Kabel, prüft die Absicherung, warnt vor dem Schutzorgan weit weg vom Batteriepol und erzeugt die Stückliste. Camper-Elektroplaner öffnen.

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Häufige Fragen

Womit fange ich bei der Camper-Elektrik an?

Mit dem Verbrauch in Wattstunden pro Tag. Aus dieser einen Zahl folgen Batteriekapazität, Solarleistung und alle Ströme — also auch Kabelquerschnitte und Sicherungen. Wer mit dem Kabel anfängt, entscheidet ohne Grundlage und korrigiert später teuer.

Reicht 12 V oder brauche ich 24 V?

Bis etwa 2 000 W Spitzenlast ist 12 V üblich; darüber werden die Ströme so groß, dass Querschnitte und Schutzorgane unhandlich werden. Der Rechenweg bleibt derselbe, nur die Zahlen ändern sich: Bei 24 V halbiert sich der Strom bei gleicher Leistung, der Querschnitt sinkt damit auf ein Viertel.

Was prüft Camp automatisch, was muss ich selbst prüfen?

Der Planer prüft rechnerisch: Spannungsfall je Leitung, Strombelastbarkeit, Sicherungsgröße, Abstand des Schutzorgans zur Quelle und ob Verbraucher Angaben für die Energiebilanz haben. Nicht geprüft werden Anlagen, die nur eine Elektrofachkraft beurteilen darf — insbesondere die 230-V-Seite, der Zustand von Batterien und die mechanische Verlegung.

Grundlage, Annahmen und Grenzen

Quellen

DIN VDE 0298-4
Strombelastbarkeit der verwendeten Normreihe (Modell: Verlegeart B2, 30 °C, zwei belastete Adern). Camp rechnet mit einem Derating von 0,7 auf die Tabellenwerte — eine dokumentierte, konservative Annahme.
DIN VDE 0100-721
Kleinspannungsanlagen in Caravans und Motorcaravans: verlangt den Überstromschutz nahe der Batterie, nennt für diesen Abstand aber keine Länge.
ISO 10133:2000 § 8.1
Schutzorgan am Quellpunkt bei Kleinspannungs-Gleichstromanlagen. Der Planer prüft daraus 0,2 m ab der Quelle.
Modellwerte in der Auslieferung
Kupfer-Leitfähigkeit κ = 58 m/(Ω·mm²) bei 20 °C, Entladetiefen je Chemie und die Grenzen 1 / 3 / 4 % Spannungsfall stehen in `lib/materials.ts`, `lib/vde-standards.ts` und `lib/electrical.ts`.

Annahmen

  • Kupfer bei 20 °C: Der Temperaturzuschlag betriebswarmer Leitungen ist im Spannungsfall nicht modelliert (DIN VDE 0100-520 nennt den Spannungsfall ohne Zuschlag).
  • Verlegeart B2 mit pauschalem Derating 0,7 deckt Bündelung und Umgebungstemperaturen über 30 °C ab, ersetzt aber keinen Nachweis je Einzelfall.
  • Beispielverbraucher auf dieser Seite sind Beispielwerte zur Veranschaulichung — für die eigene Planung zählt die eigene Messung oder das Datenblatt.

Grenzen

  • Die 230-V-Seite des Fahrzeugs darf nur eine Elektrofachkraft errichten und abnehmen. Rechnerische Hinweise in Camp sind keine Abnahme.
  • Batteriealterung, Zyklenzahl und Temperaturschwäche von Bleibatterien sind im Modell nicht abgebildet; der Reservezuschlag im Batterierechner ist ein bewusst sichtbarer Eingabewert.
  • Eine mechanische Beurteilung (Scheuerstellen, Zugentlastung, Brandverhalten von Leitungen im Fahrzeug) leistet keine Rechnung.

Inhaltlicher Stand: 2026-10. Keine fachliche Prüfung durch Dritte — Rechenwege, Quellen und Grenzen stehen offen, siehe Über Werft.

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Im Planer weiterrechnen

Der Camper-Elektroplaner prüft dieselben Zusammenhänge für die ganze Anlage: Querschnitt, Spannungsfall, Sicherung und Energiebilanz je Leitung — und erzeugt daraus die Stückliste. Läuft im Browser, ohne Anmeldung.