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Wechselrichter

Wechselrichter im Camper auslegen

Ein Wechselrichter zieht bei 12 V Ströme, die jede andere Last im Fahrzeug in den Schatten stellen. Wer die Zuleitung nach Gefühl wählt, verliert Leistung in der Leitung — oder schmilzt sie.

Der Eingangsstrom ist die entscheidende Zahl

Ein 1 000-W-Wechselrichter zieht am 12-V-Bordnetz rund 98 A — nicht 83 A, wie die Rechnung mit 12,8 V und ohne Verluste ergäbe. Die konservative Rechnung ist Absicht: Am Entladeende ist die Batteriespannung niedriger, und bei gleicher Leistung fließt dann mehr Strom.

Der Strom steigt überproportional mit der Leistung, weil die Verluste im Wechselrichter mit ihr wachsen. Genau deshalb gehört der Eingangsstrom in die Kabelbemessung — nicht die Ausgangsleistung.

I_ein = P_aus / (η · U_min)

η = 0.85 (Modellwert für den Wirkungsgrad), U_min = 12,0 V (Entladeschlussspannung des Modells bei 12,8 V Nennspannung).

Für Dauerlast gilt der Nennstrom; Anlaufströme von Motoren und Kompressoren liegen darüber. Das Modell rechnet mit dem stationären Strom und weist auf den Anlauf hin, statt ihn zu schätzen.

Zuleitung: kurz halten und dick wählen

Die Tabelle macht sichtbar, warum die Zuleitung so kurz wie möglich sein sollte: Bei 2 000 W entscheidet der Meter über die nächste Normgröße. Ein Wechselrichter, der 1 m neben der Batterie sitzt, braucht deutlich weniger Kupfer als einer am Heck.

Auch die 230-V-Seite sollte nicht ignoriert werden: Ein langes, dünnes Ausgangskabel verschiebt die Verluste nur — aber die bleiben Verluste.

Modellrechnung: Zuleitung über 1,5 m einfache Länge bei 12 V Nennspannung
WechselrichterEingangsstromGewählter QuerschnittSicherungSpannungsfall
500 W49 A25,0 mm²50 A0,85 %
1000 W98 A70,0 mm²100 A0,60 %
2000 W196 A70,0 mm²100 A1,21 %
3000 W294 A70,0 mm²100 A1,81 %

Der Querschnitt folgt dem Spannungsfall, die Sicherung der Leitungsgrenze — bei großen Leistungen ist die Zuleitung damit ein eigenes Bauteil und keine Beigabe.

Absicherung und Anschluss

  1. Die Zuleitung wird am Batteriepol abgesichert — nicht am Wechselrichter. Der Kurzschlussstrom der Batterie ist an der Quelle am größten.
  2. Die Sicherung schützt die Leitung: Sie muss über dem Dauerstrom liegen und unter der Design-Belastbarkeit des Kabels.
  3. Bei Lithium-Bänken muss die Sicherung das hohe Abschaltvermögen können; eine Flachsicherung reicht dort meist nicht.
  4. Klemmen und Kabelschuhe sind Teil der Leitung: Eine schlecht gepresste Verbindung wird warm und kostet Spannung.
  5. Viele Wechselrichter erwarten einen eigenen Schutzleiter und einen definierten Potentialbezug — die Anleitung des Geräts gilt.

Was der Wechselrichter im Leerlauf kostet

Ein Wechselrichter arbeitet nicht umsonst: Sein eigener Leerlaufverbrauch (typisch zweistellige Wattzahlen, im Bereitschaftsmodus weniger) fließt rund um die Uhr aus der Batterie, wenn er eingeschaltet bleibt. Über 24 Stunden summiert sich das zu einem erheblichen Teil des Tagesbedarfs.

Praktisch heißt das: Wechselrichter bei Nichtbenutzung hart ausschalten (Fernbedienung oder Schalter) und die Geräteauswahl prüfen — eine 230-V-Kaffeemaschine zieht über den Umweg Wechselrichter etwa 98 A aus der Batterie, während ein 12-V-Kocher dieselbe Energie direkt zieht.

Die 230-V-Seite: eigener Schutz, eigene Regeln

Ein Wechselrichterausgang ist ein eigenes Stromversorgungssystem mit 230 V, das nicht über die Außenwelt geerdet ist. Das Modell der 230-V-Seite führt dabei drei Größen: Schutzleiterquerschnitt nach IEC 60364-5-54, Leitungsschutzschalter mit Charakteristik B oder C (Schnellauslösung bei 5× bis 10× Nennstrom) und die Abschaltbedingung nach IEC 60364-4-41.

Wechselrichter-Ausgänge sind elektronisch strombegrenzt — sie verhalten sich nicht wie das öffentliche Netz. Was das für Schutzmaßnahmen bedeutet, steht in der Anleitung des Geräts und ist keine Rechenaufgabe dieser Seite.

Typische Fehler

  1. Zuleitung nach der Ausgangsleistung bemessen statt nach dem Eingangsstrom.
  2. Wirkungsgrad vernachlässigen — 15 % Mehrstrom sind bei 2 000 W immerhin 25 A.
  3. Sicherung am Wechselrichter statt am Batteriepol.
  4. Leerlaufverbrauch nicht einplanen und sich über die leere Batterie am dritten Standtag wundern.
  5. Wechselrichter ohne Blick auf die Kurzschlussleistung der Batteriebank betreiben.

Häufige Fragen

Wie viel Strom zieht ein 2000-W-Wechselrichter aus der 12-V-Batterie?

Rechnerisch rund 196 A: 2 000 W Ausgangsleistung bei einem Wirkungsgrad von 0.85 und der Entladeschlussspannung von 12,0 V. Die Zuleitung über 1,5 m fordert dafür im Modell 70 mm² — die Sicherung schützt den Leiter, nicht das Gerät.

Reicht ein 1000-W-Wechselrichter für eine Kaffeemaschine?

Für den Dauerbetrieb ja, wenn die Maschine dauerhaft unter 1 000 W bleibt. Viele Kaffeemaschinen ziehen aber kurzzeitig mehr und takten (Heizstab mit Thermostat): Die Spitzenlast übersteigt dann die Nennleistung. Bei 1 000 W Ausgangsleistung fließen rund 98 A aus der Batterie — das ist der Strom, den Kabel und Sicherung tragen müssen.

Wechselrichter mit reinem Sinus oder modifiziertem Sinus?

Geräte mit Motor oder Elektronik (Kühlschrank-Kompressor, Ladegeräte, Pumpen) verlangen in der Regel einen reinen Sinus. Modifizierte Sinusform ist günstiger, kann aber zur Erwärmung oder Fehlfunktion führen. Diese Entscheidung ist eine Frage des Verbrauchers, nicht der Rechnung.

Grundlage, Annahmen und Grenzen

Quellen

Modellwerte des Wechselrichters
Wirkungsgrad 0.85 und Entladeschlussspannung (Faktor 0,9375) in `lib/vde-standards.ts`; die 230-V-Seite in `lib/acProtection.ts` (dort mit Normbezug).
IEC 60364-5-54 / 4-41, IEC 60898-1
Schutzleiterquerschnitt, magnetische Auslösebereiche B/C und Abschaltbedingung — der Modellkern der 230-V-Prüfungen.

Annahmen

  • Der Wirkungsgrad 0,85 ist ein Modellwert; Geräte mit besserem Wirkungsgrad brauchen weniger Eingangsstrom.
  • Die Entladeschlussspannung liegt bei 12,0 V — die Rechnung fällt damit konservativ aus.

Grenzen

  • Anlaufströme und Einschaltspitzen sind nicht modelliert; sie liegen über dem Dauerstrom.
  • Blindleistung, Einschaltstrombegrenzer und Netzbildung (Inselbetrieb) sind keine Größen dieser Seite.
  • Die vorgelagerte Netzimpedanz ist im AC-Modell eine deklarierte Annahme (0.8 Ω) und keine Messung vor Ort.

Inhaltlicher Stand: 2026-10. Keine fachliche Prüfung durch Dritte — Rechenwege, Quellen und Grenzen stehen offen, siehe Über Werft.

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